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» Bleicherfest 2005
 
 
 
"Der Spaßfaktor ist das Wichtigste"

Heckinghauser Bleicherfest: Auch die 30. Auflage lockte Hunderttausende in den Stadtteil.

Wuppertal. Das Internet duftet nicht. Nicht nach Zimt und Thymian wie die Schubfächer des alten Gewürzregals und auch nicht nach dem alten Holzleim, der das kleine Schaukelpferd zusammenhält. Das Gefühl, echte Schallplatten in Händen zu halten, kann kein Computerbildschirm simulieren. Zum Glück nicht. Und zum Glück ist das Heckinghauser Bleicherfest auch nicht nach Angebotsgruppen oder Preisklassen geordnet. Sondern es präsentiert sich wie immer als riesiger, freundlicher Gemischtwarenladen. Weiterklicken geht nicht, man muss da ganz einfach durch, um etwas zu finden. Bei der 30. Auflage des Fests ist das nicht anders.

Gesucht wird ein Handmixer, Auftrag der Patentante. Um kurz nach Neun sind die Händler rund um den Gaskessel schon mehr als fünf Stunden auf den Beinen. Es geht vergleichsweise ruhig zu, denn viele potenzielle Kunden des größten Sommerflohmarkts der Region schlafen noch. Zu viele Veranstaltungen an diesem Fest-Wochenende lassen den ein oder anderen Talbewohner schwächeln.
 
 
 
 
 
 


Voll sind die Straßen rund um den Gaskessel trotzdem. Am Stand von Cornelia Walbersdorf türmt sich eine wilde, kunterbunte Ausstellung. Der Inhalt aus drei Kellern ist aufgeschichtet, reichlich Geschirr, Nippes, Spielzeug und Hüte. Leider kein Handmixer. Mit dem Verkauf ist die junge Verkäuferin aus der Konradswüste aber zufrieden: "Beim Auspacken um vier Uhr ist schon viel weggegangen."

Heide aus dem Siepen zeigt sich noch nicht so begeistert: "Man merkt schon, dass noch nicht viel los ist", sagt die erfahrene Trödlerin, die ihren Stammplatz an der Widukindstraße hat. Zum 24. Mal ist sie mit ihrer Familie am Start, genug Ware gibt es immer. Oft finden sich ganz außerordentliche Stücke wie Omas selbst gebastelter Weihnachtskranz und der fusselig gestrickte Pullover mit den schicken Applikationen. Die Silberbesteck-Kiste kommt nur komplett weg, da gibt es feste Regeln. "Oh, einen Mixer suchen Sie? Nein, sowas haben wir leider nicht." Darf es vielleicht ein alter Reiseföhn in Originalverpackung sein?

Bei Rosel Gockel, ein paar Meter weiter, sieht es schon recht übersichtlich aus. Sie ist ebenfalls eine Stamm-Händlerin auf dem Bleicherfest, seit 1985 dabei. Früher verkaufte sie zu Gunsten des Altenheims Stollenstraße, wo eine Verwandte lebte. Später hat die Oberbarmerin für sich weiter gemacht. "Obwohl wir jedes Jahr sagen `Das war aber jetzt das letzte Mal." Und dann kommt der Sommer, und das Bleicherfest lockt. Ware gibt es auch immer genug: Haushaltsauflösungen, Kellergut, Bekannte trennen sich von altem Zeug. "Wir haben viele Stammkunden", sagt Rosel Gockel fröhlich. Alle Jahre wieder heißt es: "Ach, da sind Sie ja wieder." Um halb Zehn hat Rosel Gockel schon gut verkauft. Nur die weiße Tasse mit der goldenen Aufschrift "Der lieben Schwiegermutter", steht allein, ein wenig anklagend in der Mitte. Kein Mixer in Sichtweite.

Klar weiß Rosel Gockel über den Internet-Verkauf Bescheid. Auswirkungen auf die Preisgestaltung hat er aber nicht. "Nein", sagt Rosel Gockel, "das sind reine Bauchentscheidungen." Wie alles, was mit der Jagd nach Ramsch und Raritäten zu tun hat. "Das Flair hier auf dem Flohmarkt schon etwas besonderes", findet Jürgen Engler, der aus Bochum nach Heckinghausen gekommen und mit dem Verkauf von Platten und CDs schon recht zufrieden ist. Warum aber hat er keinen Handmixer?

Auch Carlo Kemper muss in punkto Sahneschläger passen, obwohl er das 17. Mal in Folge als Händler in Heckinghausen ist und wirklich schon fast alles verramscht hat. "Es gibt Sachen, die laufen hier einfach besser", weiß er. Davon abgesehen gehe es auf dem Bleicherfest eigentlich nicht nur um Kauf und Verkauf: "Der Spaßfaktor ist die Hauptsache." Was gar nicht weg kommt, wird zur Not halt entsorgt.

Internet hin Sperrmüll her, in einem sind sich die Stammtrödler hinter ihren Verkaufstischen einig: "Die Leute achten heutzutage stärker auf den Preis." Auch Händlerin Romy Wessela bemerkt das, besonders an der Nachfrage nach Markentextilien für kleines Geld. Und dann hat sie da noch etwas auf dem Tisch liegen. Weiß, ein wenig abgenutzt, aber intakt. Mit Zubehör. Endlich! Romy Wessela hat das Handrührgerät! "Der Mixer hing gestern morgen noch bei meiner Mutter in der Küche an der Wand" , sagt sie und freut sich über die Begeisterung, die sie für 2,50 Euro ausgelöst hat.

Natürlich hätte man auch im Internet nach dem Teil gucken können. Es unter 289 Angeboten vielleicht sogar neuer und günstiger finden. Aber mal ehrlich das wäre nicht halb so spannend gewesen.

 

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27.06.05
Von Claudia Kasemann
Quelle: http://www.wz-newsline.de/sro.php?redid=86692
 

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